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eschenau summer press publications

  • 65 - hartmut geerken :: signed / not signed

  • als ich zusammen mit sigrid hauff 1963 das anatolische göremegebiet durchwanderte um unbekannte byzantinische höhlenkirchen aus der ikonoklastenzeit zu entdecken stiessen wir in der nähe von üchisar zufällig auf eine schwer zugängliche höhle die mit alten zerfletterten koranen knietief angefüllt war. das heilige buch des islam darf weder vergraben noch verbrannt werden deshalb entsorgt man zerlesene & unbrauchbar gewordene exemplare irgendwo in der natur in einem geschützten nicht jedermann zugänglichen versteck & überlässt sie ihrem schicksal.
  • wie wir bald feststellen konnten, war die höhle schon lange für diesen zweck in gebrauch denn wir fanden neben neueren ausgaben vor allem in den unteren schichten der koranendlagerungsstätte auch zahlreiche handschriftliche koranfragmente aus dem 18. & 19. jahrhundert.
  • wir wussten nicht ob es statthaft war einige dieser kalligrafischen originale an uns zu nehmen aber wir taten es voll im bewusstsein auch möglicherweise gegen islamische gesetze die für das entsorgen alter korane gelten könnten zu verstossen. jeder der jetzt ein solches blatt in den händen hat ist mitwisser eines möglicherweise blasfemischen handelns.
  • die blätter haben durch die lange lagerung an attraktion gewonnen wie alter wein an bouquet. ich habe die blätter nicht gesäubert. was an fingerfett staub & erde daran haftete & beim berühren abfiel ist abgefallen. was dranblieb blieb dran. ich habe kein eselsohr ausgebügelt & jede altersspur demonstrativ erhalten. wasserflecken liegen zuweilen wie wolken über der kunstvollen handschrift. der geruch ist der geruch der höhle. das überalterte war mir in jeder form willkommen. ich wollte die spuren der vergangenheit auf jeden fall erhalten bevor das blatt in den konservierenden kreuzbodenbeutel kam.
  • nachdem ich die alten originale in moderne transparente zellofanbeutel gesteckt hatte habe ich sie (die zellofanbeutel & nicht die originale) ausgewogen 'signiert/nicht signiert'. durch die signaturen über (nicht auf] dem heiligen text entsteht ein hauch von gotteslästerung. auch damit komme ich zurecht. durch zufall habe ich diese islamischen texte gefunden. meine nicht/unterschrift hätte genausogut über /unter jedem anderen sogenannten heiligen text stehen können.
  • für den untergrund habe ich absichtlich nicht die farbe des profeten gewählt. ich wollte nicht den fehler begehen wie die hersteller der ersten in europa maschinell produzierten orientteppiche. sie hatten nämlich die farbe grün eingeknüpft die man auf alten teppichen vergeblich sucht. grün ist die farbe des profeten auf die man keinesfalls mit den füssen treten darf.
  • arabisches koranautograf in zellofankreuzbodenbeutel (115 × 190 mm) eingebeutelt signiert/nicht signiert 2011 auf roten untergrund getackert.
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  • hartmut geerken : signed / not signed
    the eschenau summer press & temporary travelling press publications
    [herman de vries publisher]
    eschenau 2011
    eschenau summer press publication 65
    108 copies, numbered; signed/not signed by hartmut geerken

    White carboard folder (21.4 × 30.5 cm) containing 1 fol. in red with page of the koran mounted (21 × 29.8 cm)