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articles, essays and papers
- Eine Idee, erklärt John Dewey, ist "eine über die bestehenden Dinge aufgestellte Skizze und eine Absicht, so zu handeln, daß sie in bestimmter Weise arrangiert werden. Woraus sich ergibt, daß eine Idee dann wahr ist, wenn die Skizze honoriert wird, wenn die auf die Handlungen folgenden Realitäten sich in der von der Idee beabsichtigten Weise neu arrangieren oder neu ordnen" [John Dewey, Essays in Experimental Logic (Chicago 1910) 310, 317].
Dieser Kernsatz der pragmatischen Philosophie beschreibt die erkenntnistheoretische Grundlage der exakten Wissenschaften und ist zugleich ihr wichtigstes Instrument. Ihm zufolge läßt sich die Natur in 'Realitäten' zerlegen und seien diese identisch mit dem Phänomen' die sie darstellen, wenn sie Experimenten unterworfen werden. Natur, das gibt dieser Satz zu verstehen, ist nichts, wenn sie nicht in einer 'Idee' gefaßt und zu einem Experiment dienen kann. Natur als Natur, Natur als sprachlose, nicht hinterfragbare Bedingung unserer Existenz, wir selbst als Natur, haben in diesem Denken nicht nur keinen Platz; vielmehr kann die pragmatische Philosophie und, als ihr Kind, die instrumentelle Vernunft Natur ihrem Wesen nach überhaupt nicht fassen, sondern allenfalls als seine Randbedingung wahrnehmen.
- Die Maximen der instrumentellen Vernunft gelten allerdings nicht nur für die exakten (Natur)Wissenschaften, sondern auch für weite Bereiche künstlerischen Handelns. Denn in dem Maße wie die bildenden Künste ihre mimetische Funktion an die technischen Bildherstellungsverfahren verloren, begannen die Künstler - bis auf wenige, die sich mit der Reflexion der möglichen Rolle der Kunst beschäftigten - ihrerseits pragmatisch im Sinne von Dewey zu verfahren, indem sie sich um die Konstituierung von 'Weltbildern' bemühten, seien diese nun 'Skizzen', Stile oder Konzeptionen genannt.
- Für die exakten Wissenschaften wie die Künste ergab sich damit ein fundamentaler Wirklichkeitsverlust; denn der Maßstab für das pragmatische Handeln ist nicht der Natur abgewonnen, sondern ein gesellschaftlicher: Im Sinne der instrumentellen Vernunft erfolgreiches Handeln kann die natürlichen Bedingungen nur ausnützen und demonstriert, nolens volens, Beherrschbarkeit als ihr intrinsisches Ziel.
- Vor dem Hintergrund dieser Problematik ist herman de vries' Tätigkeit als Künstler zu sehen. Sein Ziel ist es, den circulus viciosus zu durchbrechen, dessen Ausdruck das pragmatische Denken ist; de vries will mit seiner Kunst die wirklichkeit (wieder) unmittelbar zugänglich und erlebbar machen. 1961 schrieb er in seiner Zeitschrift revue nul = 0: "zero; alles ist einheit, alles geschieht stillstehend. es gibt keine gegensätze." und weiter: "zero ist kein ausgangspunkt, sondern ein existenz niveau."
- Mit diesen Sätzen befreite sich de vries davon, in herkömmlicher Weise als Künstler zu arbeiten: bestimmte, bedeutungsvolle Werke herstellen zu müssen, und unterwarf sich - ähnlich wie John Cage mit 'Silence' - einer fundamentalen Alternative. Für de vries ging es fortan nicht mehr um die Frage, ob dieser oder jener Stil, diese oder jene Methode anderen gegenüber Vorteile bote. Vielmehr war für de vries nunmehr vor allem zu untersuchen, zu entscheiden und zu thematisieren, ob zu "bilden" sei oder "nicht-bilden (zero)" angemessener sein könne.
- herman de vries hat also - anders als viele seiner Künstler-Ko11egen - 'zero' nicht als eine lediglich formal interessante Errungenschaft verstanden (und wieder aufgegeben), sondern als erkenntnistheoretische Position ernstgenommen und zur Grundlage gemacht für einen abenteuerlich anmutenden, doch sehr überlegten Sprung aus unserer Kultur. Seit seiner Einsicht funktionalisiert de vries nicht länger die Wirklichkeit für die Produktion von Kunst oder Wissenschaft, sondern ordnet künstlerisches wie wissenschaftliches Arbeiten ("bilden") der Aufgabe unter, Natur: Wirklichkeit als sie selbst zur Geltung zu bringen. [continued >>>>]
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Michael Fehr is a professor and director of the Institute for Art in Context at the University of Fine Arts, Berlin. Between 1987 and 2005 he was the director of the Karl Ernst Osthaus-Museum of the City of Hagen, Germany. Since 2003 Michael Fehr is the head of the board at the Werkbund-Archive e.V. - Museum der Dinge, Berlin.
- 2010: 'Rosa damascena - Zu einer Arbeit von herman de vries', in exhibition catalogue herman de vries : es ist da [Redaktion Wita Noack ; Text Wita Noack, Ron Manheim, Michael Fehr] (form + zweck : Berlin 2010) 23-25.
- 2010: 'das wunder bleibt : Michael Fehr und Wita Noack sprechen mit herman de vries', in exhibition catalogue herman de vries : es ist da [Redaktion Wita Noack ; Text Wita Noack, Ron Manheim, Michael Fehr] (form + zweck : Berlin 2010) 37-45.
- 2003:
'Text and context: developing a museum by reflecting its history', in Inventory 2 (London 1997) Nr. 2. Translated from the German (see 1996).
- 2002: 'herman de vries Natural Relations', in exhibition catalogue Museutopia - Schritte in andere Welten. Eine Dokumentation ... Eine Ausstellung zum 100jährigen Jubiläum der Folkwang-Idee (Köln 2002) 160-161.
- 1998:
'herman de vries. Artifex arboris inversae', in exibition catalogue herman de vries : aus der wirklichkeit (Ulm 1998) 8-29.
- 1996:
'Text und Kontext. Die Entwicklung eines Museums aus der Reflexion seiner Geschichte', 1996/2003.
Translated in English (2003).
- 1989: ''... diese Sätze überwinden. Zur künstlerischen Arbeit von herman de vries', in herman de vries. natural relations, eine skizze. katalog der sammlungen (nürnberg 1989) xiii-xv.
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- TEXT CREDITS
Michael Fehr, '... diese Sätze überwinden. Zur künstlerischen Arbeit von herman de vries', in herman de vries. natural relations, eine skizze. katalog der sammlungen / mit anmerkungen von herman de vries; hrsg. vom karl ernst osthaus museum hagen (verlag für moderne kunst : nürnberg 1989) xiii-xv.
© Michael Fehr