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articles, essays and interviews

 

to be (1995)

auf reispapier in kathmandu gedruckt, erschien 1974 in der 'temporary travelling press publications nr. 2' ein kleines büchlein, genauer ein umschlag mit einer losen, beweglichen innenseite mit dem titel: to be all ways to be. aus der ferne lud herman de vries die in europa gebliebenen kunstfreunde ein, philosophisch-spielerisch über 'wege des seins' nachzudenken. hält man das büchlein in der hand und dreht die innenseite, erschrickt man über die bedeutungsvielfalt der verkürzten oder verlängerten wortfolge und deren wechselnden sinn, der jedesmal auf neue zusammenhänge lenkt:

be all
all to be
to be to be
all
ways
ways to be
to be ways
all ways

was sich hier aus dem sprachlichen zufallsspiel erschliesst, spannt einen bogen zwischen der konkreten poesie der 60er jahre und der denkweise des zenbuddhismus und hinduismus. de vries hat die intensive beschäftigung mit wittgenstein als skeptiker von sprache und philosophie hinter sich gelassen und findet sich wieder in der anschauung meister eckhardts, als meister des lesens und als meister des lebens. seither ist er darum bemüht die 'seeings of his beings' mitzuteilen. philosophie, kunst, wissenschaft und leben möchte er nicht mehr trennen.

über 'eine fruchtbare wanderung' schreibt er: "bin in den wald gegangen, um zu denken, vergass aber zu denken und fand es nicht nötig daran irgendeine schlussfolgerung zu knüpfen". ist der, der diesen satz geschrieben hat, zuvor und nachher der gleiche? spielt sich dieser satz ausserhalb der philosophie, der 'weisbegierde', wie das holländische wort lautet, ab? wohin bewegt sich in bewusstsein derjenige, der im lesen diesen satz nachvollzieht? "when you receive this is different!" heisst es auf einem kreisrunden briefstempel, mit dem herman de vries briefsendungen zu begleiten pflegt. das cartesianische cogito ergo sum muss radikal in frage gestellt werden. ihm hält herman de vries den sanskrit-text aus mandukya karika [1. in: eight upanishads vol. 2, translated by swami gambihiranda, calcutta] entgegen:

things that exist internally as
long as the thought lasts and things
that are externally related to
two points of time, are merely imaginations

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1961-1970
1971-1980
1981-1990
1991-2000
2001-2010
2011 to present

Andreas Meier', 'to be', in: herman de vries : to be. texte-textarbeiten-textbilder. auswahl von schriften und bildern 1954-1995 / andreas meier (ed.) (Cantz Verlag : Ostfildern 1995) 9-19 (ill.).

Andreas Meier

Andreas MeierBorn 1949; art historian. After several years at the Kunstmuseum Bern, he was the founding director of the Centre Pasqu'Art in Biel/Bienne and head of the Seedamm Kulturzentrum in Pfäffikon (until 2008).

2004: 'Im Dialog mit der Natur', in 'Aus der Natur', Bulletin Seedamm Kulturzentrum No. 69 (2004) 3-5.

2004: 'Von Zufallsuntersuchungen zur Kunst mit der Natur. Ein Interview mit herman de vries', in Bulletin Seedamm Kulturzentrum No. 69 (2004) 6-11.

1997: 'herman de vries : natura incorporata', in Kunstforum international Band 137 'Atlas der Künstlerreisen'(Juni-August 1997) 90-93.

1997: Excerpt from 'herman de vries, natura incorporata', in Kunstforum Bd 137 (Juni-August 1997) 90.

1995: 'to be', in herman de vries. to be : texte-textarbeiten-textbilder. auswahl von schriften und bildern 1954-1995 / andreas meier (ed.) (cantz verlag : ostfildern 1995) 9-19 (ill.).

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